Die Sage der Burg Greifenstein

Auf den Greifensteinen soll sich einst ein Raubschloss befunden haben, über dessen Ursprung man sich folgende Geschichte erzählt:

Im 11. Jahrhundert soll der Ritter Otto von Greifen am Hofe des Herzogs Wratislaw von Böhmen gelebt haben. Er entführte vom Hofe des Herzogs ein Fräulein und zog mit ihr in den damals nur von wilden Tieren bewohnten Freiwald von Thum. Hier soll er die Burg Greifenstein erbaut haben. Die beiden lebten glücklich und widmeten sich vor allem der Erziehung ihres einzigen Sohnes.

Eines Tages brachte der Ritter von einem seiner Jagdausflüge ein kleines Mädchen von etwa zwei Jahren mit nach Hause.
Die Kleine wurde nun mit dem Rittersohn zusammen erzogen. Beide liebten sich wie Geschwister.

Als sie aber in das Erwachsenenalter getreten waren, wurde aus der geschwisterlichen Liebe eine tiefe Zuneigung, wie sie nur zwischen einer Frau und einem Mann sein kann.

In einer unbewachten Stunde vergaßen sich die Liebenden und nach Verlauf einiger Monate fühlte das Mädchen, dass es Mutter würde. Zwar hoffte sie, es werde ihren Geliebten gelingen, seine Eltern dazu zu bewegen, dass sie ihre Zustimmung zu einer Verheiratung mit der Pflegeschwester gewähren, aber es fand sich keine passende Gelegenheit.

Nun begab es sich, dass ein benachbarter Ritter in Streit mit seinen Feinden geriet. Da er auch mit dem Ritter von Greifen befreundet war, sah es der junge Ritter als eine Ehre an, dem Nachbarn zu helfen. Schweren Herzens verließ er die väterliche Burg und seine Geliebte.

Bald sah man der jungen Frau an, dass sie ein Kind unter ihrem Herzen trug. Der Ritter von Greifen geriet außer sich vor Wut und ließ sie in das tiefe, dunkle Gefängnis der Burg werfen.

Eines Nachts erschien dem Ritter eine Gestalt im Traum und sagte ihm, wer das Kind ist, das unten im Verließ geboren wurde. Reuig eilte er in den Keller hinab, doch er fand nur noch die Leichen von Mutter und ihrem neugeborenen Kind.
Er ließ beiden ein prächtiges Begräbnis ausrichten.

Am nächsten Tag kehrte der Sohn als Sieger von seiner ersten Waffentat zurück. Voller Freude eilte er der Burg seines Vaters entgegen. Er hatte einen Raubritter gefangen, der ihm erzählte, dass seine Geliebte, die er damals als Kind im Freiwald aussetzte, das Töchterchen der entführten Gemahlin des Ritters von Scharfenstein sei. Er hoffte nun nichts sehnlicher, als das die Eltern die Einwilligung zu einer Verbindung mit dem Mädchen geben würden.

Böses ahnend sah er die Trauerfahne vom Schlossturm wehen. Er sprengte in den Schlosshof, wo ihm der Leichenzug entgegen kam. Einen furchtbaren Fluch gegen seine hartherzigen Eltern ausstoßend, sank er in eine tiefe Ohnmacht, aus der er nur wieder aufwachte, um für immer in geistiger Nacht zu leben. Seine Eltern überlebten diese furchtbare Katastrophe nicht lang. Der Sohn wurde auf Lebenszeit in einem Kloster untergebracht.

Herzog Wratislaw übergab die Burg Greifenstein als erledigtes Lehen einem anderen böhmischen Ritter, der sie aber auch nicht lange behielt: Da er mit seinen Nachbarn in ständiger Fehde lebte, vereinigten sich seine Feinde gegen ihn und berannten, eroberten und zerstörten die Burg Greifenstein.

 


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